Man denkt an Robin Hood und seine Gefährten oder an den kleinen Liebesgott Amor, der mit Pfeil und Bogen zielsicher in die herzen der Liebenden schießt. Heute ist diese uralte Kunst ein Sport für Körper, Geist und Seele, der immer mehr Menschen fasziniert.
DER WEG IST DAS ZIEL: Den Bogen spannen, zielen und den Pfeil abschießen, mehr ist es eigentlich nicht. Und doch geht von dieser scheinbar einfachen Abfolge der Bewegungen eine Begeisterung aus, die ein ganzes Leben lang anhalten kann. Bogenschießen; egal ob als Hobby oder als olympischer Hochleistungssport betrieben, kennt keine Altersgrenze. Unterschiedlich ist bei Alt und. Jung, bei Frauen und Männern die Größe und Zugkraft des Bogens, die in Pfund gemessen wird. Psychologen erklären die Faszination, die von diesem Sport ausgeht, mit den Urinstinkten des Jagens. Was aber Bogenschießen heute wieder so attraktiv macht, ist - neben der ruhigen Eleganz der Bewegungen - das Zusammenspiel von Körperhaltung und Konzentration, das zu einem gelungenen Schuss führt.
DIE URFORM DES BOGENS hat sich zwar kaum verändert, doch dafür gibt es viele unterschiedliche Geräte. Neben den klassischen Langbogen hat sich der Recurve durchgesetzt, dessen Gegenschwung an der Bogenspitze den vollen Auszug erleichtert. Hierzu gehören unter anderem auch die Reiterbögen. Absolute Hightechstücke sind die Compound -Bogen mit Visierhilfen, Stabilisatoren und einem Rollensystem, mit denen über 1 000 Meter geschossen werden kann. Für unter 200 Euro gibt es schon eine gute Grundausrüstung. Maßgefertigte Bogen und Compounds können dagegen einige Tausend Euro kosten. Beim olympischen Schiessen kommt der Sportrecurve mit Stabilisatoren und Visiereinrichtung zum tragen.
GEISTIGES TRANING steht bei Kyudo im Mittelpunkt. Die alte japanische Bogenkunst der Samurai, die vom Zen-Buddhismus beeinflusst wurde, fördert Selbstversenkung und Konzentration. Treffen wollen ist dabei Nebensache. Benutzt wird ein asymmetrischer Bogen aus Naturmaterialien, wie er einst von den Kriegern zu Pferd eingesetzt wurde.
WER HAT’S ERFUNDEN? Der Ursprung dieser Kunst verliert sich im Dunkel der Vorgeschichte. Von einer sehr frühen Tradition zeugen 15000 Jahre alte Höhlenzeichnungen von Bogenschützen. Es gibt wohl kaum eine Kultur der Weltgeschichte, die diese Waffe nicht im Krieg oder auf der Jagd einsetzte. Berüchtigt waren die Schützen der mongolischen Reiterei, die Europa in Angst und Schrecken versetzten, legendär auch die englischen Langbogen, mit denen Heinrich V. 1415 bei Agincourt das als überlegen geltende französische Ritterheer vernichtete. Die Entwicklung der Feuerwaffen verdrängte die Urwaffe, und Bogenschießen entwickelte sich zum aristokratischen Sport, der gleichermaßen von Männern und Frauen ausgeübt wurde. Im Himalaja-Königreiche Bhutan ist er heute noch Volkssport.
WAS BRINGT’S? Bogenschießen fördert Konzentration und Körperbeherrschung. Durch das Zielen wird die Hand-Auge-Koordination geschult. Schulter und Oberarme werden gestärkt, die Körperhaltung verbessert sich. Zugleich wirkt die Konzentration auf Atmung und Haltung vor dem Abschuss entspannend. Wer ins Schwarze (oder besser: Gelbe oder beim traditionellen Kill genannt) treffen will, muss abschalten können. Deswegen entdecken immer mehr gestresste Manager diesen Sport für sich.
PROMIFAKTOR: Filmstar Geena Davis (,,Thelma & Louise") ist passionierte Bogenschützin mit dem Recurve und scheiterte im Vorfeld der Olympischen Spiele in Sydney 2000 nur knapp an der Qualifikation für die US-Nationalmannschaft.
ZEITAUFWAND: Wichtig ist vor allem die Regelmäßigkeit des Trainings. Inzwischen gehört Bogenschießen zum Angebot vieler Wellness-, Club- und Sporthotels.